DDF in der Presse Motiv

Resümee 2023:

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde,

die Welt hat auch 2023 den Krisenmodus nicht verlassen. Historische Wendepunkte auf der globalen Bühne haben erhebliche Auswirkungen auf jeden einzelnen von uns. Corona-Pandemie, Energiekrise, Inflation, Engpässe in der Versorgung mit Medikamenten – auf manches hätten wir gern verzichtet. Unsere Gedanken sind bei den Menschen, deren Leben und Existenzen durch kriegerische oder terroristische Auseinandersetzungen bedroht sind. Ihnen wünschen wir von ganzem Herzen baldigen Frieden.

Weltweit stellt die zunehmende Verbreitung von Diabetes mellitus die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Obwohl alle Zahlen, Daten und Fakten seit Jahrzehnten auf dem Tisch liegen, reagiert die deutsche Gesundheitspolitik nicht angemessen. Während der Corona-Krise wurde Großes geleistet, doch unsere Gesellschaft ist nicht in der Lage, sich auf die steigende Anzahl der Personen mit der Diagnose Diabetes und die älter werdende Bevölkerung einzustellen. Inklusive einer Dunkelziffer von 2 Millionen Menschen liegt die Anzahl der von Diabetes Betroffenen mittlerweile bei 11 Millionen Menschen. Ebenfalls angestiegen ist die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas. Etwa zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland haben Übergewicht, davon gilt ein Viertel als adipös, was 12,2 Millionen Menschen entspricht. Adipositas gilt als ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes.

Die Gesundheitspolitik wird den Risiken für und den Auswirkungen von Diabetes nicht gerecht

Nach wie vor werden die Risiken von Diabetes mellitus auf vielen Ebenen noch immer unterschätzt. Es werden dringend neue Ansätze benötigt, um das Bewusstsein in Politik und Gesellschaft für die gesundheitlichen, sozialen, finanziellen und strukturellen Auswirkungen der Diabetes- Pandemie zu schärfen. Die steigende Anzahl der von Diabetes Betroffenen und die vielfältigen Begleit- und Folgeerkrankungen belasten das Gesundheitssystem mit 21 Milliarden Euro jährlich. Die Kosten eskalieren und gemeinsam mit dem Fachkräftemangel gefährdet dies die zuverlässige Versorgung der Menschen mit Diabetes in der Zukunft.

Auch fehlt es an Transparenz, denn es ist nicht zentral vermerkt, wenn Todesfälle, Herzinfarkt oder Schlaganfall auf Diabetes mellitus zurückzuführen sind. Die Halbherzigkeiten und Mängel in der Umsetzung von Strategien oder Kampagnen müssen dringend überwunden werden.

Die Lebensmittelampel gehört verbindlich eingeführt und die Nationale Diabetes-Strategie mit Leben gefüllt, damit Maßnahmen zur Prävention, Eindämmung und zuverlässigen Behandlung greifen können. Ein kleiner Lichtblick ist die Einführung eines Disease-Management- Programms (DMP) für Adipositas, also starkes Übergewicht. Es gilt als wichtiger Baustein für die Realisierung der Nationalen Diabetes- Strategie. Ob Adipositas, Diabetes oder beides: Jeder einzelne Patient oder jede einzelne Patientin ist aufgefordert, mit den medizinischen Behandlerinnen und Behandlern in den DMPs enger zusammenzuarbeiten – im Idealfall in Kooperation mit den Patientencoaches der Selbsthilfe, um auch in der Zeit zwischen den Behandlungs- Terminen Begleitung und Unterstützung zu erfahren.

Positive Entwicklungen bieten Erleichterung

Wer an Diabetes erkrankt ist, dem wird an Therapie- und Technik-Kompetenz viel abverlangt. Doch die Entwicklungen in Technologie, Medizin und Wissensvermittlung bieten vielversprechende Erleichterungen, um die Betroffenen in ihrem Diabetes-Management künftig besser zu unterstützen und die Lebensqualität zu verbessern.

Hier sind vor allem digitale Gesundheitslösungen (eHealth) zu nennen, mit deren Technologien Messen des Blutzuckers, Dokumentieren von Mahlzeiten, Überwachen von Aktivitäten oder Kommunikation mit Gesundheitsdienstleistern möglich sind. Die künstliche Intelligenz (KI) hilft, größere Mengen von Gesundheitsdaten zu analysieren. Damit können Muster erkannt und personalisierte Empfehlungen für das Diabetes- Management, die Ernährung oder notwendige Aktivitäten gegeben werden. Die Verbindung mit dem medizinischen Fachpersonal zu halten und die persönlichen Daten bzw. Werte zu teilen, ist nur einer der vielen Vorteile der Telemedizin. Hier reihen sich auch die digitalen Angebote der Diabetes-Selbsthilfe ein, die mit Webinaren und Schulungen für Gruppen oder Einzelcoachings Hilfestellung und Wissenstransfer ohne größeren Reise-Aufwand bieten.

Geeinte Selbsthilfe so notwendig wie nie zuvor

Es gibt Licht und Schatten in der großen Diabetes-Welt. Doch der Wind wird rauer und die Herausforderungen nehmen zu.

Wir sind überzeugt: Auch in Zukunft braucht es die vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich als Interessen- oder Patientenvertreter in den Gremien von Bund und Ländern oder im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) für die Belange der Menschen mit Diabetes einsetzen. Wir verfolgen dabei weiterhin das Ziel einer geeinten Diabetes-Selbsthilfe, auch wenn die Aktivitäten auf dem Weg dorthin manchmal ins Stocken geraten. Vieles daran mag selbst verschuldet sein, aber die Selbsthilfe erhält auch keine wesentliche Stärkung durch den Staat. Wir müssen aus eigener Kraft wirksam sein. Dafür muss die Diabetes-Gemeinschaft unbedingt näher zusammenkommen und gemeinsam starke Positionen einnehmen. Nicht zuletzt brauchen wir viel mehr Mitglieder. Darüber hinaus suchen wir den Kontakt und Austausch mit anderen Bundesorganisationen der Selbsthilfe, wie für Menschen mit Adipositas, Bluthochdruck, Erkrankungen von Herz, Auge, Niere und an einer nicht alkoholischen Fettleber.

Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl

Künftig wird ein neu zusammengesetzter Vorstand die Geschicke der Deutschen Diabetes Föderation leiten. Über die im November stattgefundene Mitgliederversammlung und die Vorstandswahlen informieren wir Sie in der Januar-Ausgabe des Diabetes-Journals.

Jedem einzelnen Vorstandsmitglied wünsche ich für die neue Amtszeit viel Erfolg, Freude im jeweiligen Ressort und bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben stets eine glückliche Hand. Der gesamte DDF-Vorstand wünscht allen Mitgliedern, Freundinnen und Freunden schöne Feiertage und dankt für das Vertrauen und die Zusammenarbeit. Kommen Sie gut in das neue Jahr und bleiben Sie so gesund wie möglich. Sie sind mit dem Diabetes nicht allein! Auch in Zukunft setzen wir uns für die Interessen der vielen Millionen Menschen mit Diabetes ein und stehen Ihnen mit den haupt- und ehrenamtlichen Akteuren in den Mitglieds-Organisationen hilfreich zur Seite. Ihnen allen gilt unsere Anerkennung und unser herzlicher Dank für dieses Engagement!

Ihr Dr. Klaus-Dieter Warz

Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Föderation e.V., Stand Oktober 2023

QUELLENANGABEN

Diabetes Journal, Ausgabe Dezember 2023