Jetzt handeln: Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie duldet keinen weiteren Aufschub!

Sehr geehrter Herr Minister,

wir, die organisierte Selbsthilfe und Patientenvertretung von 7 – 8 Millionen Diabetes-Betroffenen in Deutschland, haben uns sehr gefreut, als die Nationale Diabetes-Strategie im Koalitionsvertrag berücksichtigt wurde. Wir unterstützen viele Punkte, die im Zuge dessen formuliert und öffentlich gemacht wurden. Doch seit den Absichtsbekundungen im Jahre 2018 hat es kaum spürbare Entwicklungen in der Umsetzung gegeben. Die Nationale Diabetes-Strategie ist auch im November 2019 weder beschlossen noch umgesetzt worden. Dem Fortschreiten der Volkskrankheit Diabetes wurde noch immer nichts entgegengesetzt.

Das ist dramatisch! Experten gehen davon aus, dass sich allein in den letzten beiden Jahren die Zahl der Diabetes-Neuerkrankungen um eine Million erhöht hat. Es ist damit zu rechnen, dass die Anzahl der Diabetespatienten in den nächsten Jahren auf 12 Millionen ansteigen wird. In Anbetracht dieser alarmierenden Prognosen duldet die Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie keinen weiteren Aufschub. Geeignete Maßnahmen müssen sofort ergriffen werden.

Gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Diabetes ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Eine Nationale Diabetes-Strategie muss sicherstellen, dass sowohl die Rate der Neuerkrankungen durch gezielte Präventionsmaßnahmen verringert als auch die gute medizinische Versorgung der bereits Erkrankten gewährleistet wird, damit ihnen möglichst lange eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und in der Arbeitswelt ermöglicht wird und teure Folgeerkrankungen und Pflegebedürftigkeit vermieden werden.

Dazu möchten wir als Diabetiker Allianz (DA), die Vereinigung der Patientenvertreter der Dia­betesbetroffenen, gerne mit Ihnen in den Dialog treten, um den aktuellen Stand der Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie und deren Inhalte zu diskutieren und gemeinsam Lösungen für die Menschen mit Dia­betes in Deutschland zu erarbeiten.

Aus Sicht der Diabetes-Selbsthilfe sind hierbei insbesondere folgende Punkte in der Nationalen Diabetes-Strategie zu berücksichtigen:

  1. Sicherung der kompetenten, integrativen diabetologischen und flächendeckenden Versorgung im ambulanten und statio­nären Bereich sowie in der Pflege. Gewährleistung des Zugangs zu innovativen Therapiemöglichkeiten, die die Lebensqualität sichern und verbessern.
  2. Sicherung des qualifizierten Nachwuchses bei den Diabetologen und den Allgemeinmedizinern mit spezifischer Weiterbildung im Bereich Diabetes.
  3. Patientenbeteiligung bei gesundheitlichen Entscheidungsprozessen, Stimmrecht der themenbezogenen Vertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).
  4. Gezielte Präventionsangebote für Menschen mit einem hohen Risiko für Typ-2-Diabetes, insbesondere unter Beachtung der Verhältnisprävention.
  5. Aufbau eines Diabetes-Registers als Basis für medizinische Forschung, einschließlich Versorgungsforschung.

Sehr geehrter Herr Minister, wir hoffen sehr auf eine Antwort. Unsere politischen Vertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) stehen bereit zum Gedankenaustausch und zur Unterstützung bei der Implementierung der Nationalen Diabetes-Strategie. Damit wir gemeinsam der Volkskrankheit Diabetes schnell etwas entgegensetzen.

Freundliche Grüße
Dr. Klaus-D. Warz
Vorstandvorsitzender DDF für die Diabetiker Allianz (DA)

Unsere Lösungsansätze zur effektiven Diabetesprävention und -versorgung in Deutschland:

  1. Sicherung der ambulanten und stationären Versorgung
    • Sicherung der kompetenten, integrativen diabetologischen und flächendeckenden ambulantenVersorgung. Gewährleistung des Zugangs zu innovativen Therapiemöglichkeiten, die die Lebensqualität sichern und verbessern.
    • Sicherung des qualifizierten Nachwuchses bei den Diabetologen und den Allgemeinmedizinern mit spezifischer Weiterbildung im Bereich Diabetes. Dies gilt es im Besonderen hinsichtlich Versorgungsgerechtigkeit und regionalen Versorgungsunterschieden zu betrachten
    • Sicherung der Bettenkapazitäten in Krankenhäusern der Endokrinologie/ Diabetologie, insbesondere Erhalt von Kinderstationen.
  2. Stärkung der Selbsthilfe
    • Patientenbeteiligung bei gesundheitlichen Entscheidungsprozessen, Stimmrecht der themenbezogenen Vertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).
    • Stärkung und verlässliche Finanzierung der Selbsthilfe-Verbände als eine der tragenden Säulen und Anlaufstelle in der praktischen Unterstützung nach der Erstdiagnose von Menschen mit Diabetes mellitus. Zu den Aufgaben der Selbsthilfe gehören die Unterstützung der Betroffenen bei der Umsetzung der ärztlich angeordneten Therapie in den Alltag sowie ein erfolgreiches Selbstmanagement nebst Förderung der Eigenverantwortung.
  3. Prävention
    • Gezielte Präventionsangebote für Menschen mit einem hohen Risiko für Typ-2-Diabetes, insbesondere unter Beachtung der Verhältnisprävention.
      Als Beispiele seien hier genannt:

      • Förderung des täglichen Sport- und Bewegungsangebots für Kinder und Jugendliche
      • Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde Lebensmittel bei gleichzeitiger
      • Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für ungesunde Lebensmittel
      • Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel
    • Nachhaltige Gesundheitsförderung in KiTas und Schulen als ressortübergreifende Aufgabe der verantwortlichen Akteure in den verschiedenen Ministerien.
  4. Forschung
    • Aufbau eines Diabetes-Registers als Basis für medizinische Forschung, einschließlich Versorgungsforschung.
  5. Diabetes in den Lebenswelten
    • Gewährleistung von Inklusion für Kinder und Jugendliche mit Diabetes und Sicherung der Teilhabe in KiTa und Schule.
    • Sicherung der Kompetenz und des Wissens zur Diabetestherapie bei den Pflegekräften in der Seniorenbetreuung und in den Altersheimen.

*In der Arbeitsgemeinschaft Diabetiker Allianz (DA) sind die Diabetes-Selbsthilfeverbände in Deutschland vereinigt: Deutsche Diabetes-Föderation (DDF), Deutsche Diabetes-Hilfe –Menschen mit Diabetes (DDH-M), Deutscher Diabetiker-Bund (DDB) und Diabetikerbund Bayern

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